| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | ||
| 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
| 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 |
| 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 |
| 27 | 28 | 29 | 30 |
"Die vorliegenden Daten zeigen den Beginn einer Grippewelle - verursacht durch das neue Pandemie-Virus (H1N1v) - in Österreich an. Wir haben einen starken Anstieg der positiven Fälle", so der Wiener Virologe und Institutsleiter Prof. Dr. Franz X. Heinz. An einzelnen Tagen gab es bei der Hälfte oder bei bis zu allen eingesendeten Proben eine Bestätigung für eine Schweinegrippe-Erkrankung.
Anders als bei der saisonalen Grippe bilden die Senioren nicht die Hauptrisikogruppe, sondern jüngere Menschen zwischen sechs Monaten und 50 Jahren. Von mehr als der Hälfte aller Infektionen mit dem H1N1-Virus sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren betroffen.
H1N1 werde nicht schlimmer als die saisonale Grippe werden, prognostiziert Gesundheitsminister Alois Stöger. Auch Arzneimittelagentur AGESPharmMed-Chef Prof. Dr. Marcus Müllner gibt vorsichtige Entwarnung in Sachen Schweinegrippe:
"Rein rechnerisch ist anzunehmen, dass hierzulande - so niemand geimpft ist - etwa 1.600 Patienten wegen der Neuen Grippe ins Spital aufgenommen werden, davon könnten 290 eine Behandlung auf der Intensivstation benötigen. Mit etwa 40 bis 60 Todesfällen ist zu rechnen. Das sind wesentlich weniger als das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle am Beginn der Pandemie als Worst-Case-Szenario errechnet hat."
Das Gesundheitsministerium ordnet seit dem 11. November die Grippewelle der Pandemie-Alarmstufe 6 Mitigation-Stufe 2 zu. Dies ist mit Änderungen bei Tests, bei der Meldepflicht sowie der Behandlung verbunden: Es werden nicht mehr alle Verdachtsfälle getestet. Auf der Grundlage der Daten von Fällen in ausgewählten Arztpraxen und solchen über die Krankenstandstage der Sozialversicherungsträger wird nun eine Hochrechnung über die Zahl der Infektionen erstellt ("Sentinella-System").
Rachenabstriche werden nur mehr in diesen ausgewählten Ordinationen und bei bestimmten Ausnahmen, wie bei Spitals-Patienten oder Erkrankungen an Schulen und Kindergärten, durchgeführt. Ansonsten werden Verdachtsfälle automatisch als Infektionen gewertet. Nur mehr laborbestätigte Erkrankungen in Spitälern und Todesfälle sind meldepflichtig.
Derzeit verläuft die Schweinegrippe in den meisten Fällen wenig dramatisch, manchmal so mild, dass sie gar nicht bemerkt wird. Vor absoluter Sorglosigkeit bzw. Ignoranz muss aber gewarnt werden. "Was diese neue Grippe von der saisonalen unterscheidet, ist, dass es bei jungen, zuvor gesunden Menschen, zu einem äußerst schweren Verlauf kommen kann", so der Pandemie-Koordinator im Gesundheitsministerium Dr. Jean-Paul Klein.
Auch Müllner geht davon aus, dass einige Österreicher schwer erkranken könnten. Er befürchtet, dass die Kapazität von Krankenhäusern und besonders von Intensivstationen zeitweise überlastungsgefährdet sein wird.
"Das Hauptproblem einer Erkrankung ist nicht das H1N1-Virus, aber die Grippe schwächt das Immunsystem enorm", so Prim. Dr. Norbert Vetter, Lungenspezialist am Wiener Otto-Wagner-Spital. "Gerade in der Lunge können sich dann leichter Bakterien einnisten und schwere Infektionen auslösen - von einer Bronchitis bis hin zum kompletten Lungenversagen."
Die jüngste Entwicklung der Schweinegrippe-Welle in Österreich hat auch das Impfverhalten der Österreicher verändert: In Wien, dem Burgenland, Niederösterreich, der Steiermark, Salzburg sowie Kärnten und Vorarlberg haben sich am ersten Tag, dem 9. November, knapp 9.000 Menschen gegen Schweinegrippe impfen lassen. In der darauffolgenden Woche fand ein regelrechter Run auf die Impfstellen statt, während das Interesse an der Immunisierung nun wieder schwächer geworden ist.
Müllner: "Die Impfung kann Influenza verhindern. Ein allfälliges Risiko, das mit dem Impfen verbunden ist, ist um ein Vielfaches geringer als der mögliche Nutzen der Impfung." Statt 1.5000 Krankenhausaufnahmen ohne Impfung wären bei einer Immunisierung aller Österreicher lediglich 100 zu erwarten, 40 Todesopfern durch die Schweinegrippe (ohne Impfung) stünde statistisch weniger als ein Todesopfer als Folge der Impfungen (anaphylaktischer Schock) gegenüber.
Für den Gesundheitsminister zählt Österreich bei der Vorbereitung auf die Pandemie zur Weltspitze, da der Bevölkerung der weltweit beste, da am gründlichsten geprüfte, Impfstoffzur Verfügung stehe.
Wie erkenne ich aber, dass ich mich mit dem Virus infiziert habe? Bei der Schweinegrippe handelt es sich primär um eine akute Virusinfektion der Atemwege, informiert das Gesundheitsministerium. "Die Symptome sind ähnlich einer herkömmlichen saisonalen Grippe, wie hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Husten, Halsschmerzen und Schwächegefühl. Durchfall und Übelkeit können zusätzlich auftreten."
Da das Virus über die Schleimhäute wie bei anderen Grippearten in den Organismus gelangt, sind bei der Schweinegrippe auch die gleichen Schutzmaßnahmen wirksam: Hände waschen und auf eine gesunde Ernährung sowie ausreichend Schlaf und Bewegung achten!
Hygiene und ein guter Immunstatus seien probate Mittel, um sich vor der Schweinegrippe zu schützen, bestätigt auch die Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer Dr. Christiane Körner. Auf keinen Fall sei es ratsam, so Susanne Stücker von deutschen Paul-Ehrlich-Institut, das Grippemittel Tamiflu zu horten und prophylaktisch einzunehmen. "Dann trägt man dazu bei, Resistenzen zu züchten."
Ruth U. Ferrari, 28.07.2009, aktualisiert am 25.11.2009
