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Alkoholentzug: Wie Abhängige ihre Sucht besiegen

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Wann ist ein Alkoholentzug angesagt? Welcher Alkoholkonsum gilt noch als harmlos und was muss der Patient selbst zur Therapie beitragen? Dr. Rudolf Mader, Leiter des Anton-Proksch-Instituts (API), erklärt wie man/frau wieder "trocken" werden kann.

Eine Alkoholentzugstherapie ist dann nötig, so der Leiter des API, Prim. Dr. Rudolf Mader, wenn man subjektiv und auch von außen den Eindruck hat, dass der Alkohol über den "normalen" Konsum hinausgeht und ein Problem darstellt. Sehr häufig wird ein Alkoholentzug empfohlen, wenn der/die Betroffene auffällig geworden ist.

Alkohol ist ein Konsummittel, kein Medikament. Sobald man Alkohol anwendet um einen bestimmten Effekt zu erzielen, sei es um Angstzustände zu beseitigen, sich zu entspannen oder um besser schlafen zu können, handelt es sich um Missbrauch. In diesem Stadium wird man noch keinen Alkoholentzug benötigen, man kann jedoch mit aufklärenden Gesprächen über den jetzigen Zustand aufklären und mögliche Folgen vorbeugen.

Harmlosigkeitsgrenze und Gefährdungsgrenze

Nach den Richtlinien der WHO liegt die Harmlosigkeitsgrenze für den Mann bei 24 g reinen Alkohol für die Frau bei 16 g reinen Alkohol. Das ist die Menge, die man in der Regel pro Tag unbedenklich trinken darf. 20g entsprechen einem 1/4 l Wein oder 1/2 l Bier oder 3 kleine Schnäpse, wobei es auch bereits in diesem Bereich gefährdete Personen gibt, machte Mader aufmerksam.

Die Gefährdungsgrenze hingegen liegt bei 40 g reinen Alkohol für die Frau und 60 g reinen Alkohol für den Mann. Wenn man diese Menge Alkohol regelmäßig auf längere Zeit konsumiert, dann muss man mit großer Wahrscheinlichkeit damit rechnen, alkoholkrank zu werden. Mader: "Dieser Prozess verläuft langsam, schleichend über Jahre, die Übergänge vom "normalen" zum krankhaften Trinken sind fließend, das ist die große Gefahr, die oft übersehen wird".

Alkoholentzug: Motivation ist der Schlüssel zum Therapieerfolg

Die wichtigste Forderung an eine funktionierende Entzugstherapie ist die Motivation des Patienten. Die Therapie, sei es ambulant oder stationär kann nur erfolgreich sein, wenn der Patient mitarbeiten will und einigermaßen selbst motiviert ist. Jede zwangsweise Behandlung eines Süchtigen ist sinnlos.

Das Konzept der Kalksburger Ärzte lautet daher: "Stationäre Therapie nur unter besonderer Indikationsstellung und auf individuelle Erfordernisse abgestimmt, so kurz wie möglich, als Einleitung zu einer langzeitambulanten Nachbehandlung".

Psychotherapeutischen Interventionsmöglichkeiten

Die Therapie der Wahl bei einem Süchtigen ist die Gruppentherapie, die auch in Kalksburg verstärkt angeboten wird. In der Gruppe werden bestimmte vorgegebene Themen diskutiert, der Patient wird informiert und lernt anhand eines Rückfallpatienten der in der Gruppe anwesend ist, was tatsächlich beim Rückfall passiert.

Bei Bedarf ist auch eine Einzeltherapie möglich. Von Abteilung zu Abteilung verschieden bietet das API spezielle Gruppentherapien an (Rückfallsgruppe, Angstgruppe, Selbstbestätigungsgruppe). Die Sucht ist meist ein sekundäres Phänomen. In der Regel herrscht eine psychische Grundstörung vor, die mit Psychotherapie gut behandelbar ist.

Alkoholentzug: 3-Phasen-Konzept im Rahmen des stationären Aufenthalts

Nach dem körperlichen Entzug (Phase 1) konzentriert sich Phase 2 auf psychiatrisch-psychotherapeutische, psychologische und soziotherapeutische Maßnahmen. Gleichzeitig beginnt die Aktivierungsphase (Phase 3) mit Beschäftigungstherapie, die als Ausgangspunkt für die berufliche Rehabilitation dient. In diesem Rahmen gibt es auch die Möglichkeit einer Umschulung und Berufberatung an einer Außenstelle des AMS in der Anstalt.

Berufsberatung und Arbeitsplatzvermittlung sind die letzten Punkte des stationären Aufenthalt. Gleichzeitig wird die konstruktive Freizeitgestaltung durch intensives Programm mit Wandern, Tennis, Fußball, Schwimmen und Fitness gefördert. Spezialisierte Abteilungen kümmern sich um Senioren und Jugendliche. Individuelle Betreuung wird hier groß geschrieben.