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Der dänische Familientherapeut Jesper Juul hat mehrere Bücher darüber geschrieben, was Eltern und Kinder brauchen, damit es ihnen zusammen gut geht. Weil man aber aus Büchern allein nicht alles lernen kann, hat Juul außerdem noch "Familylab" gegründet – eine Art Werkstatt für Familien, die Inspiration und Begleitung für Eltern anbietet. Seit etwa einem Jahr ist Familylab auch in Österreich vertreten mit einen großen Angebot an Seminaren, Vorträgen, Workshops und Gesprächen.
Wer wünscht sich nicht, dass seine Kinder zu Menschen heranwachsen, die ein hohes Maß an Selbständigkeit, Kompetenz und ein starkes Selbstwertgefühl mitbringen? Dafür, so Jesper Juul, brauchen Kinder Eltern, die wie Leuchttürme sind, die klare Signale geben und deutlich sagen, was sie wollen (statt bloß zu sagen was sie nicht wollen). Nur so können Kinder lernen und sich entwickeln. Allerdings ist es heutzutage in manchen Familien so, dass die Kinder diejenigen sind, die bestimmen. Das sei furchtbar, meint Juul: „Diese Kinder können sich nicht entwickeln.“
Jesper Juul und Familylab grenzen sich ganz deutlich ab gegenüber dem Ruf nach mehr Disziplinierung für Kinder, der mittlerweile wieder öfter laut wird. Aber auch das Gegenteil – Kindern einfach nur ihre Freiheit zu lassen, sei ein Irrweg. Kindern brauchen vielmehr Eltern, die ihre Verantwortung ernst nehmen und bereit sind, sich zu entwickeln und mit ihren Kindern zu wachsen. Im Mittelpunkt seines Konzepts sieht der dänische Familientherapeut, der selbst Vater ist, den Begriff der Gleichwürdigkeit.
Gleichwürdigkeit bedeutet, dass die Wünsche, Anschauungen und Bedürfnisse aller Familienmitglieder gleich ernst genommen werden. Ernst nehmen heißt anerkennen, nicht herabwürdigen, es heißt nicht notwendigerweise erfüllen. Eltern müssen ihre Verantwortung als „Führungspersonen“ in der Familie wahrnehmen, allerdings ohne das Kind in seiner Würde zu kränken oder zu verletzten. Jesper Juul: „Erwachsene haben einfach Macht – emotional, finanziell, sozial, körperlich. Man braucht Wertmaßstäbe, die einem dabei helfen, gute Entscheidungen zu treffen und Macht zu haben, ohne sie auszunutzen.“
Und noch etwas ist Jesper Juul wichtig, er betont es immer wieder in seinen Büchern, in Artikeln und Interviews: „Eltern müssen nicht perfekt sein, sie dürfen Fehler machen. Die besten Eltern, die ich kenne, machen 20 Fehler am Tag. Auch 30 oder 40 Fehler sind okay, bei über 50 Fehlern braucht man vielleicht ein bisschen Begleitung.“
Mehr Informationen unter www.familiylab.at
Buchtipps:
Jesper Juul, Die kompetente Familie. Neue Wege in der Erziehung, Kösel Verlag 2007, 174 Seiten, € 15,40
Jesper Juul, Was Familien trägt. Werte in Erziehung und Partnerschaft. Kösel Verlag 2006, € 17,50
